Die Verwirklichung eines Kartenbildes ist wie das Zubereiten eines herrlichen Menüs: Mit einem guten Rezept haben Sie das Menü noch lange nicht auf dem Tisch. Um dieses servieren und essen zu können, bedarf es einiger Vorbereitungen.

Grundsätzlich erkennt man einen guten Kartendeuter daran, dass er so wenig wie möglich im Vorwege fragt und Sie ggf. sogar in Ihrem Redefluss unterbricht. Je weniger Informationen bekannt sind, desto unvoreingenommener können die Karten gelesen werden. 
Voraussetzung hierfür: Ein guter Kartendeuter kennt sich mit seinen Karten aus. Jede Karte hat verschiedene und vielfache Bedeutungen – und die sollte jemand, der Karten legt, auch sämtlich kennen, jeweils bezogen auf die entsprechende Thematik, nach der die Karten gefragt werden.
Beim Kartenlegen sehe ich keinen Sinn darin, nach dem kompletten Namen zu fragen oder gar nach Geburtsdaten – das überlasse ich meinen astrologischen Kolleginnen und Kollegen.

Es steht mir nicht zu, andere Kartenleger/-deuter als schlecht oder gut einzustufen. Wie in jeder Branche gibt es auch hier schwarze Schafe, die schnell viel Geld verdienen möchten, dabei wenig mit der Materie vertraut sind und über die Auswirkungen, die ihr Vorgehen für den Ratsuchenden haben können, gar nicht nachdenken (oder sich sogar hinterher darüber lustig machen).
Fragen Sie ruhig den von Ihnen ausgesuchten Kartenleger, wo er sein Handwerk gelernt hat, wie lange er es schon  ausübt, ob er Fortbildungen besucht, sich selbst im Eigenstudium weiter bildet etc.

Kartendeuten bedeutet ein ständiges Lernen – auch ich lerne heute immer noch dazu, weil durch das Voranschreiten und die Entwicklung der Zeit auch die Karten einer gewissen Wandlung unterliegen und sich in ihren Bedeutungen verändern. Als professioneller Kartendeuter muss man da einfach „mitwachsen“.  

Lassen Sie mich bitte noch Folgendes anfügen:
Als Mlle. Lenormand das Kartenlegen salonfähig machte, wurde sie für ihre guten Prognosen fast in den Himmel gelobt, sicherte sich einen Platz in den  wohl gesonnenen Reihen von Napoleon. Als sie ihm den Aufstieg auf den Thron prophezeite, wurde sie gehuldigt wie eine Heilige. Als sie ihm aber den Sturz ankündigte, ging er darauf überhaupt nicht ein, hielt es für lächerlich und sie wäre fast auf dem Scheiterhaufen gelandet.
So ist es auch heute noch: sagen die Kartendeuter etwas Gutes, bekommen sie fünf Sterne und Lobeshymnen. Sagen sie etwas vermeintlich Schlechtes, werden sie durch Negativbewertungen auf den virtuellen Scheiterhaufen geführt.

 Bitte bedenken Sie:
Wenn Sie ein wichtiges Schreiben aus dem Ausland bekommen, aber der Sprache nicht mächtig sind, ein Dolmetscher Ihnen dann den Inhalt übersetzt und die Nachricht für Sie schlecht ist, dann ist es nicht der Dolmetscher, der Schuld an dieser Nachricht bzw. dessen Inhalt hat, sondern er hat Ihnen das übersetzt, was Sie nicht in der Lage waren selbst zu lesen.
Wenn einem Blinden oder Analphabeten die Nachrichten aus der Tagespresse vorgelesen werden, dann ist nicht der Vorlesende für die Nachrichten oder die Ursache jener verantwortlich, er liest sie nur vor.

Und so ist es auch beim Kartenlegen: ein Kartendeuter übersetzt die Sprache der Bilder in Worte, damit der Ratsuchende die Antwort hört, die er nicht in der Lage ist, selbst zu „lesen“ (zu erkennen). Doch ist ein Kartendeuter nicht für den Inhalt verantwortlich, allerdings sollte er seine „Sprache“ beherrschen.   

Wer weiß: hätte Napoleon sich auch die schlechten Aussagen ein wenig zunutze gemacht und nicht nur auf die guten Voraussagen vertraut, wäre die Weltgeschichte womöglich ganz anders verlaufen oder zumindest zeitlich verschoben worden.